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Lohnt sich ein E-Transporter? Ehrliche Rechnung 2026

Lohnt sich ein E-Transporter? Diesel gegen Strom, Stand Juli 2026: Anschaffung, Steuervorteile, THG-Quote, Kostenbeispiel und 5-Jahres-Vergleich.

von TourlyOne

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22. Juli 2026|10 Min. Lesezeit
Fahrerin steckt am frühen Morgen das Ladekabel in einen weißen E-Transporter im Depot

Mitte Juli 2026 steht Diesel wieder bei gut zwei Euro. Der Tankrabatt ist ausgelaufen, und bei jeder Tankfüllung rechnet ein Teil von dir mit: Was wäre, wenn der Sprinter über Nacht am eigenen Hof laden würde?

Die großen Paketdienste haben die Frage für sich beantwortet. Bei DHL fährt fast jeder zweite Zustell-Transporter elektrisch, über 32.000 Stück. Nur planen die mit eigenen Ladeparks und Konzern-Einkaufspreisen. Du planst mit acht oder fünfzehn Sprintern und einem Kontokorrent.

Deshalb hier die Rechnung für deinen Maßstab, ob sich ein E-Transporter für dich lohnt: was er mehr kostet, was er pro Kilometer spart, was der Staat 2026 wirklich noch dazugibt und in welchen Fällen du besser beim Diesel bleibst. Alle Beträge netto, denn die Mehrwertsteuer holst du dir als Vorsteuer zurück.

Wie viel teurer ist ein E-Transporter in der Anschaffung?

Rechne mit 10.000 bis 20.000 Euro netto Mehrpreis gegenüber dem vergleichbaren Diesel, je nach Modell und Batteriegröße. Der neue Mercedes eSprinter startet laut Preisliste bei 59.990 Euro netto, ein vergleichbar motorisierter Diesel-Sprinter liegt laut mobile.de-Magazin bei rund 46.500 Euro. Der Ford E-Transit beginnt bei etwa 52.300 Euro netto.

Das sind Listenpreise. Bei Gewerbekunden bewegen sich Händler gerade bei E-Modellen, weil die Fahrzeuge verkauft werden müssen. Hol dir also Angebote für beide Antriebe desselben Modells, sonst vergleichst du Prospekt gegen Prospekt.

Ein Punkt gehört von Anfang an auf den Zettel: Die Batterie wiegt mehrere hundert Kilo und geht bei 3,5 Tonnen von der Zuladung ab. Zurück holt dir das Gewicht die 4,25-Tonnen-Regel: bis 4,25 Tonnen Gesamtmasse mit Führerschein B, dazu gibt es im Artikel einen eigenen Abschnitt.

Was kostet der Kilometer: Strom gegen Diesel?

Am eigenen Depot geladen fährt der E-Transporter für weniger als die Hälfte. Die Beispielrechnung netto: Ein Diesel-Sprinter mit 10,5 Litern auf 100 km kostet bei 1,68 Euro je Liter rund 17,60 Euro auf 100 km. Ein E-Transporter mit praxisnahen 28 kWh auf 100 km kostet bei 27 Cent Gewerbestrom rund 7,56 Euro. Macht gut 10 Euro Unterschied auf 100 km.

Faustformel: Jeder Kilometer, den du am eigenen Depot lädst, spart dir rund 10 Cent gegenüber Diesel. 30.000 km im Jahr sind rund 3.000 Euro pro Fahrzeug.

Die 28 kWh sind bewusst kein Prospektwert: Praxistests der Fachpresse messen beim eSprinter 25 bis 30 kWh je nach Beladung, Tempo und Jahreszeit, beim E-Transit im Winter auch mehr. Was dein Diesel heute wirklich verbraucht, steht in deiner Vollkostenrechnung pro Kilometer.

Der Haken: Die Rechnung gilt nur für Depotstrom. An öffentlichen Schnellladern kosten Ad-hoc-Tarife (Laden ohne Vertrag, Karte dran und los) laut ADAC-Übersicht 52 bis 82 Cent je Kilowattstunde, damit schrumpft der Vorteil auf wenige Euro. Der Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) bringt es auf den Punkt:

„Wenn ich unterwegs lade und die Anbieter 50 bis 80 Cent pro Kilowattstunde verlangen, dann rechnet sich das nicht."

Inhaber eines Transportbetriebs vergleicht an der Zapfsäule den Bon mit den Zahlen auf seinem Handy
Gut zwei Euro je Liter seit dem Tankrabatt-Ende: Mit jedem Tanken wächst das Argument für die Strom-Rechnung.

Welche Vorteile gibt dir der Staat 2026?

Erst die schlechte Nachricht: Eine Kaufprämie für gewerbliche Transporter gibt es nicht. Die neue Bundesförderung, die seit Mai 2026 läuft, richtet sich ausschließlich an Privathaushalte. Was du als Betrieb stattdessen bekommst, sind vier andere Posten, von der Abschreibung bis zur Maut (Stand: Juli 2026):

  1. 75 Prozent Sonderabschreibung im ersten Jahr. Für neue, rein elektrische Betriebsfahrzeuge, angeschafft zwischen Juli 2025 und Ende 2027 (§ 7 Abs. 2a EStG). Bei 60.000 Euro Kaufpreis schreibst du 45.000 Euro sofort ab; bei 30 Prozent Steuersatz bleiben im ersten Jahr rund 13.500 Euro mehr Liquidität im Betrieb. Geschenkt bekommst du dabei nichts, die Abschreibung verschiebt Steuern nach vorn. Details rechnet dein Steuerberater.
  2. Bis zu 10 Jahre keine Kfz-Steuer. E-Fahrzeuge, die bis Ende 2030 zugelassen werden, sind befreit, längstens bis Ende 2035 (§ 3d KraftStG). Beim 3,5-Tonner sind das rund 250 Euro im Jahr.
  3. THG-Quote. Für einen E-Transporter der Klasse N1 holst du über Anbieter-Portale konservativ gerechnet 250 bis 300 Euro im Jahr, die Sätze schwanken stark. Jährlich neu beantragen.
  4. Keine Maut. Bis 3,5 Tonnen zahlst du ohnehin keine. Und falls du auf 4,25 Tonnen gehst: Emissionsfreie Fahrzeuge bleiben bis 30. Juni 2031 mautbefreit.

Die ehrliche Rechnung: fünf Jahre Diesel gegen Strom

Zusammengezählt für einen Beispielbetrieb: 30.000 km im Jahr, Depotladen, alle Werte netto (Diesel 17,64 Euro, Strom 7,56 Euro je 100 km). Nach fünf Jahren liegt der E-Transporter rund 6.500 Euro vorn, der Mehrpreis ist nach etwa dreieinhalb Jahren wieder drin. Deine Zahlen weichen ab, die Rechenschritte kannst du eins zu eins übernehmen.

Posten über 5 JahreDiesel-SprinterE-Transporter
Anschaffung (Liste)46.500 €60.000 €
Energie (1,68 €/l bzw. 27 ct/kWh)26.460 €11.340 €
Wartung und Verschleiß7.500 €5.250 €
Kfz-Steuer1.250 €0 €
THG-Erlös0 €-1.375 €
Summe nach 5 Jahren81.710 €75.215 €

Der laufende Vorteil liegt bei rund 4.000 Euro im Jahr: 3.000 Euro Energie, 450 Euro Wartung (die Motus-E-Studie und andere nennen 25 bis 50 Prozent weniger, wir rechnen vorsichtig mit 30), 250 Euro Kfz-Steuer, 275 Euro THG. Damit ist der Mehrpreis von 13.500 Euro nach etwa dreieinhalb Jahren wieder drin, die 75-Prozent-Abschreibung entlastet zusätzlich im ersten Jahr.

Was in der Tabelle fehlt: der Wiederverkaufswert. Gebrauchte E-Fahrzeuge verlieren derzeit schneller an Wert als Diesel, Marktstudien sehen nach drei Jahren oft nur noch die Hälfte des Listenpreises. Wenn dich das Risiko stört, hol dir ein Leasing- oder Mietkauf-Angebot, dann trägt es der Leasinggeber.

Wann bleibt der Diesel die bessere Wahl?

Der Diesel bleibt vorn, wenn deine Touren nicht zum Laden passen: tägliche Langstrecke, Anhängerbetrieb, Kühlaufbauten oder ein Hof ohne eigene Lademöglichkeit. In diesen vier Fällen frisst der Strompreis unterwegs oder die schrumpfende Reichweite den Kostenvorteil wieder auf. Der Reihe nach:

  • Tägliche Langstrecke. Ab 250 bis 300 km am Tag mit Autobahnanteil wird es mit einer Ladung eng, im Winter schrumpft die Reichweite spürbar. Praxistests messen bei Standard-Batterien dann teils nur 160 bis 180 km.
  • Anhängerbetrieb. Viele E-Transporter dürfen wenig oder gar nichts ziehen, der Diesel bleibt hier klar vorn.
  • Kühlaufbauten. Das Aggregat zieht dauerhaft Strom und frisst Reichweite.
  • Kein Depotladen möglich. Wer überwiegend öffentlich lädt, zahlt am Schnelllader 52 bis 82 Cent je Kilowattstunde, damit ist der Kostenvorteil weg.

Passt dein Profil dagegen zum klassischen Verteilerverkehr, Touren im Umkreis, abends zurück auf den Hof, dann trifft dich keiner dieser Punkte. Genau deshalb elektrifizieren die Paketdienste zuerst die Zustellung.

Was bringt dir die 4,25-Tonnen-Regel?

Sie gibt dir die Zuladung zurück, die die Batterie kostet, ohne Lkw-Führerschein. Deine Fahrer dürfen einen E-Transporter bis 4,25 Tonnen zulässiger Gesamtmasse mit Klasse B fahren, wenn sie den Führerschein seit mindestens zwei Jahren haben und das Mehrgewicht allein aus dem Antrieb kommt (§ 6 Abs. 3b FeV). Es gilt nur im Inland, für Güterverkehr und ohne Anhänger.

Auch beim Fahrtenschreiber hilft der E-Antrieb: Elektrisch angetriebene Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen sind im Umkreis von 100 km um den Standort von den Lenk- und Ruhezeit-Vorschriften ausgenommen (§ 18 Abs. 1 Nr. 6 FPersV). Für typische Zustelltouren rund ums Depot heißt das: kein Tacho, keine Fahrerkarte. Wie die Regeln beim Diesel unter 3,5 Tonnen aussehen, liest du im Artikel über Lenkzeiten für Transporter.

Ein Punkt bleibt trotzdem: Über 3,5 Tonnen brauchst du im gewerblichen Güterkraftverkehr eine GüKG-Erlaubnis, auch für den 4,25-Tonner. Kläre das vor der Bestellung mit deinem Verband oder der zuständigen Behörde. Rechtsstand: Juli 2026, im Zweifel gilt der Gesetzestext.

Reicht eine Wallbox im Depot?

Für den klassischen Einschicht-Betrieb: ja. An einer normalen 11-kW-Wallbox lädt auch eine große Batterie über Nacht in acht bis zehn Stunden voll. Steht der Transporter abends um sieben auf dem Hof und fährt morgens um sechs los, reicht das locker, ganz ohne teuren Schnelllader im Depot.

Eng wird es bei später Rückkehr, Zweischicht-Betrieb oder vielen Fahrzeugen an einem Hausanschluss. Dann brauchst du Lademanagement, das die Leistung über Nacht verteilt, oder einen stärkeren Anschluss. Beides gehört als Investition in die Rechnung. Sprich außerdem mit deinem Stromanbieter über einen Gewerbetarif: Zwischen 20 und 35 Cent je Kilowattstunde liegt genau der Unterschied, der die 10-Cent-Rechnung je Kilometer kippt oder trägt.

Wie kommst du an deine eigenen Zahlen?

Die Beispielrechnung steht und fällt mit zwei Werten aus deinem Betrieb: was dein Diesel heute wirklich pro Kilometer kostet und wie viele Kilometer deine Touren tatsächlich haben. Beides musst du nicht schätzen. TourlyOne rechnet aus deinen Tankdaten und den gefahrenen GPS-Kilometern den realen Verbrauch und die Energiekosten je Fahrzeug aus. Damit siehst du schwarz auf weiß, welcher Sprinter dich am meisten Diesel kostet.

Für die Entscheidung danach bleibt alles beim Alten: Du hinterlegst je Fahrzeug einen Kostensatz pro Kilometer, beim E-Transporter eben den Strom-Satz. Deckungsbeitrag je Tour und Angebots-Ampel rechnen damit weiter wie bisher. Werkstattbesuche samt Kosten hältst du je Fahrzeug fest und siehst nach einem Jahr dein eigenes Wartungs-Delta statt einer Studienzahl.

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Disponentin prüft am Laptop die Kosten je Fahrzeug, im Fenster hinter ihr lädt ein weißer Transporter
Erst die eigenen Diesel-Kosten je Fahrzeug kennen, dann über den Umstieg entscheiden: Die Datenbasis liegt schon in deinen Tank- und GPS-Daten.

Häufige Fragen

Welche Förderung gibt es 2026 noch für gewerbliche E-Transporter?

Keine Kaufprämie: Die neue Bundesförderung seit Mai 2026 gilt nur für Privathaushalte. Betriebe bekommen stattdessen die 75-Prozent-Sonderabschreibung im Anschaffungsjahr (Kauf bis Ende 2027), bis zu 10 Jahre Kfz-Steuer-Befreiung bei Zulassung bis Ende 2030 sowie jährlich die THG-Quote. Zusammen ist das mehr wert, als es klingt, es kommt nur später an als eine Prämie beim Kauf.

Wie weit kommt ein E-Transporter im Winter wirklich?

Mit Standard-Batterie realistisch 160 bis 220 km, mit großer Batterie deutlich mehr. Kälte, Beladung und die Heizung drücken die Prospekt-Reichweite spürbar, Praxistests messen beim beladenen Kastenwagen im Winter 25 bis 32 kWh auf 100 km. Für Zustelltouren im Umkreis reicht das fast immer, für tägliche Autobahn-Langstrecke oft nicht.

Darf ich einen 4,25-Tonnen-E-Transporter mit Führerschein B fahren?

Ja. § 6 Abs. 3b FeV erlaubt Klasse B für elektrisch angetriebene Fahrzeuge bis 4,25 Tonnen, wenn der Fahrer den Führerschein seit mindestens zwei Jahren besitzt, das Mehrgewicht aus dem Antrieb stammt, die Fahrt im Inland stattfindet und kein Anhänger dranhängt. Für gewerblichen Güterkraftverkehr über 3,5 Tonnen brauchst du zusätzlich eine GüKG-Erlaubnis.

Was bringt die THG-Quote 2026 für einen E-Transporter?

Konservativ 250 bis 300 Euro im Jahr je Fahrzeug der Klasse N1, manche Anbieter werben mit rund 400 Euro. Die Sätze sind seit 2023 stark gefallen und schwanken je nach Anbieter und Stichtag um bis zu 50 Prozent. Vergleiche deshalb zwei, drei Portale, reiche den Fahrzeugschein ein und plane die Auszahlung nicht fest für einen Monat ein.

Wie lange hält die Batterie eines E-Transporters?

Die Hersteller garantieren üblicherweise 8 Jahre oder 160.000 km auf mindestens 70 Prozent Restkapazität, bei Mercedes lässt sich das gegen Aufpreis bis 300.000 km erweitern. Für deine Rechnung heißt das: Bis der Mehrpreis wieder drin ist, ist die Batterie über die Garantie abgedeckt.

Quellen

  • Zoll, Kfz-Steuerbefreiung für Elektrofahrzeuge (§ 3d KraftStG, Verlängerung bis 2030/2035): zoll.de
  • Bundesministerium für Verkehr, Mautbefreiung emissionsfreier Lkw bis 30.06.2031: bmv.de
  • § 6 Abs. 3b FeV, Führerschein B bis 4,25 t bei alternativen Antrieben: gesetze-im-internet.de
  • § 18 Abs. 1 Nr. 6 FPersV, Ausnahme von Lenk- und Ruhezeiten für E-Fahrzeuge im 100-km-Umkreis: gesetze-im-internet.de
  • Haufe, Steuerliches Investitionssofortprogramm: 75-Prozent-Sonderabschreibung für E-Fahrzeuge (§ 7 Abs. 2a EStG): haufe.de
  • firmenauto, Praxistest Mercedes eSprinter (Verbrauch 25 kWh/100 km): firmenauto.de
  • ADAC, Ladesäulen-Preisübersicht (Ad-hoc 52 bis 82 ct/kWh): adac.de
  • Finanztip, THG-Quote 2026: finanztip.de
  • logistra, Paketbranche setzt zunehmend auf Elektro-Vans, DHL liegt weit vorn: logistra.de
  • transport-online, BGL und Spediteure zu Strom- und Dieselkosten: transport-online.de

Stand: 21. Juli 2026. Preise, Fördersätze und THG-Erlöse ändern sich laufend. Dieser Artikel ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung.

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