Du sitzt über der Tankabrechnung, und irgendwas passt nicht. Der eine Sprinter braucht seit Wochen mehr als die anderen, dabei fährt er dieselben Touren. Beweisen kannst du nichts. Aber das Gefühl geht nicht weg.
Das Bundesamt für Güterverkehr nennt Treibstoffdiebstahl in seinem Sonderbericht ein „Massenphänomen": Die Mehrzahl der Transportunternehmen war schon betroffen, der typische Schaden liegt bei 500 bis 1.000 Euro pro Fall, und aufgeklärt werden nur 7 bis 15 Prozent.
Dazu kommt der Preis. Im März 2026 kostete Diesel im Monatsmittel 2,16 Euro je Liter, so viel wie noch nie. Jeder Liter, der wegkommt, tut also doppelt weh.
Eines vorweg: Verschwundener Diesel heißt noch lange nicht Tankbetrug durch den eigenen Fahrer. Oft ist die Erklärung banal, manchmal sind Fremde am Werk. Deshalb gehen wir es der Reihe nach an: erst die harmlosen Ursachen, dann die Maschen, dann die Kontrolle.
Wie viel Verbrauch ist bei einem Sprinter normal?
Der Prospekt sagt für einen aktuellen Sprinter 317 CDI rund 9,2 Liter auf 100 Kilometer, der Tank fasst je nach Ausführung 71 oder 93 Liter. Im Alltag sieht das anders aus. Nutzerdaten zeigen für ältere Sprinter Realverbräuche um die 14 bis 15 Liter, voll beladen im Stadtverkehr auch mehr.
Die ehrliche Spanne liegt also irgendwo zwischen 9 und 15 Litern, je nach Aufbau, Strecke, Beladung und Fahrer. Genau deshalb taugt der Katalogwert nicht als Maßstab. Was zählt, ist der Langzeitschnitt jedes einzelnen Fahrzeugs. Weicht ein Sprinter plötzlich stark von seinem eigenen Schnitt ab, hast du einen Grund nachzusehen. Vorher nicht.
Erst die harmlosen Erklärungen abhaken
Bevor du an Betrug denkst, geh die Alltagsursachen durch. Die Zahlen dazu kommen vom ADAC:
| Ursache | Mehrverbrauch |
|---|---|
| Klimaanlage | 0,3 bis 1,5 l/100 km |
| 100 kg mehr Zuladung | bis 0,3 l/100 km (eine volle Tonne: rund 3 Liter) |
| Elektrische Heizverbraucher im Winter | zusammen bis 1 l/100 km |
| Dachträger oder Dachbox | bei Autobahntempo bis 2 l/100 km |
| Fahrstil | bis zu 20 Prozent Unterschied |
| Zu niedriger Reifendruck | ab 0,3 bar zu wenig steigt der Verbrauch spürbar |
Dazu kommen viele Kaltstarts im Kurzstrecken- und Winterbetrieb und schlicht defekte Technik, vom hängenden Bremssattel bis zum falschen Reifendruck. Ein paar Gegenmittel stehen in unseren Tipps zum Spritsparen.
Heißt für dich: Hat der auffällige Sprinter seit Kurzem eine neue Tour mit mehr Stadtanteil, einen neuen Fahrer oder eine Tonne mehr Ladung, ist der Fall oft schon erklärt. Erst wenn nichts davon passt, wird es interessant.
Wie verschwindet Diesel aus dem Fuhrpark? Die vier Maschen
Wenn die harmlosen Gründe ausscheiden, bleiben die unangenehmen. Vier Muster tauchen in Gerichtsakten und Branchenberichten immer wieder auf.
- Privatauto oder Kanister auf Firmenkosten. Der Klassiker vor Gericht: Ein Mitarbeiter betankte in 38 Fällen seine Privatwagen mit den Dienst-Tankkarten, Schaden 2.801 Euro. Aufgefallen ist es unter anderem, weil einer der Privatwagen Superbenzin brauchte, der Dienstwagen aber Diesel fuhr.
- Mehr getankt, als in den Tank passt. In einem Fall vor dem Bundesarbeitsgericht überstiegen die getankten Mengen deutlich das Fassungsvermögen des Tanks. 72 Liter in einem 60-Liter-Tank fallen bei jedem Abgleich auf, sofern jemand abgleicht.
- Der 5-Liter-Trick. Die gefährlichste Variante, weil sie im normalen Verbrauchsrauschen untergeht. Marc-Oliver Prinzing, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Fuhrparkmanagement, schreibt dazu in firmenauto: „Werden bei jedem Tankvorgang zusätzlich fünf Liter in einen Kanister gefüllt, schlägt sich das im Verbrauch kaum sichtbar nieder. Bei regelmäßiger Nutzung kann dennoch Schaden entstehen."
- Fremde am Werk. Ein großer Teil der Fälle hat mit deinen Leuten nichts zu tun. Amateure saugen 50 bis 100 Liter per Schlauch ab, organisierte Täter pumpen bis zu 800 Liter in Behälter auf Kleintransportern. Gut ein Drittel der Diebstähle passiert laut dem Bericht des Bundesamts auf dem Betriebsgelände, bevorzugt am Wochenende, wenn die Fahrzeuge vollgetankt und unbewacht stehen. Auch gestohlene oder kopierte Tankkarten samt PIN gehören in diese Kategorie.
Die vierte Masche ist der Grund, warum du mit Verdächtigungen vorsichtig sein solltest. Fehlender Diesel und schuldiger Fahrer sind zwei verschiedene Dinge.
Was dich der Schwund im Jahr kostet
Rechnen wir das Harmloseste durch, den Kanister. 20 Liter pro Woche, gerechnet mit 1,90 Euro je Liter, dem Durchschnittspreis der ersten Jahreshälfte 2026, macht 38 Euro pro Woche. Über 50 Arbeitswochen sind das rund 1.900 Euro im Jahr. Für einen einzigen Kanister, bei einem einzigen Fahrzeug.
Zum Vergleich: Der Bundesverband Güterkraftverkehr rechnet vor, dass Kraftstoff rund ein Drittel der Gesamtkosten eines Transportbetriebs ausmacht. Steigt der Dieselpreis um 10 Prozent, steigen die Gesamtkosten um 3 Prozent. Beim größten variablen Kostenblock deines Betriebs entscheidet also jedes Prozent. Wie viel ein Sprinter dich insgesamt pro Kilometer kostet, haben wir in der Vollkostenrechnung aufgeschlüsselt.
Wie erkennst du Tankbetrug in der Tankabrechnung?
Du brauchst keine Spezialsoftware, um anzufangen. Deine Tankkarten-Abrechnung reicht für drei Prüfungen:
- Liter gegen Tankvolumen. Notiere für jedes Fahrzeug die Tankgröße und vergleiche sie mit jeder einzelnen Tankung. Alles, was nah am vollen Tankvolumen oder darüber liegt, gehört geprüft. Das ist der einfachste Check überhaupt und er hat schon eine Kündigung vor dem Bundesarbeitsgericht getragen.
- Verbrauch gegen den eigenen Schnitt. Getankte Liter geteilt durch gefahrene Kilometer, pro Fahrzeug, Monat für Monat. Auffällig ist die Abweichung vom eigenen Langzeitschnitt des Fahrzeugs, nicht vom Prospektwert des Herstellers.
- Muster statt Einzelfälle. Zwei Tankungen derselben Karte kurz nacheinander an verschiedenen Stationen. Kilometerstände an der Kasse, die vorne und hinten nicht stimmen. Immer derselbe Wochentag, immer dieselbe Tankstelle. Ein einzelner Ausreißer sagt wenig, ein Muster sagt viel.

Die Rechnung selbst ist simpel. Nur macht sie bei 15 Fahrzeugen und ein paar hundert Tankungen im Monat von Hand niemand dauerhaft durch. Genau daran scheitert die Kontrolle in den meisten Betrieben.
Verdacht erhärtet: was du darfst und was nicht
Angenommen, die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Jetzt bloß nicht stürmen. Die Gerichte haben die Spielregeln ziemlich genau abgesteckt.
Strafrechtlich ist die Sache eindeutig: Wer mit der Firmen-Tankkarte fremde Fahrzeuge betankt und die Belege einreicht, begeht Betrug nach § 263 StGB, so das Oberlandesgericht Celle. Arbeitsrechtlich kommt es auf deine Vorarbeit an, und da wird es spannend:
- Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen bestätigte 2023 eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung: Ein Mitarbeiter hatte die Tankkarte 38-mal privat genutzt. Bei dieser Schwere sei das Vertrauen nicht mehr zu reparieren.
- Das Landesarbeitsgericht Köln kippte dagegen 2022 eine fristlose Kündigung, obwohl der Mann nachweislich sein Wohnmobil mit der Firmenkarte betankt hatte. Der Grund: Der Arbeitgeber hatte nie klare Regeln zur Kartennutzung aufgestellt und die Abrechnungen jahrelang nicht kontrolliert.
- Das Bundesarbeitsgericht ließ 2019 sogar den dringenden Verdacht für eine Kündigung reichen, getragen von Tankmengen über dem Tankvolumen. Voraussetzung ist aber eine förmliche Anhörung: Du musst dem Fahrer die Verdachtsmomente nennen und ihm Gelegenheit geben, sich zu erklären. Für die fristlose Kündigung gilt zudem die Zwei-Wochen-Frist des § 626 BGB.

Der Bericht des Bundesamts mahnt außerdem, bei Kontrollen die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter zu wahren und den Betriebsrat vorab einzubinden, sonst sind die Beweise vor Gericht womöglich nicht verwertbar. Und Dauerüberwachung per GPS ist tabu, das hat die niedersächsische Datenschutzaufsicht durchgesetzt.
Dokumentiere also sauber und hör den Fahrer an, bevor du kündigst. So machen es Betriebe in der Praxis, und im Zweifel gehört der konkrete Fall zum Anwalt oder Verband.
Fünf Regeln, die Tankbetrug unattraktiv machen
Vorbeugen ist billiger als aufklären, zumal nur etwa jeder zehnte Kraftstoffdiebstahl aufgeklärt wird. Fünf Dinge haben sich bewährt:
- Eine schriftliche Tankregel. Was darf mit der Karte betankt werden, was nicht, wie läuft die Kanister-Frage? Ohne dieses Papier verlierst du im Ernstfall sogar bei erwiesenem Missbrauch, das zeigt das Kölner Urteil zur jahrelang unkontrollierten Tankkarte.
- Karte und Fahrzeug fest verbinden. Kennzeichen auf der Karte, nur der passende Kraftstoff freigeschaltet, PIN niemals im Fahrzeug. Der Privatwagen-Fall flog auf, weil Super statt Diesel getankt wurde.
- Kilometerstand-Eingabe zur Pflicht machen und die Werte auch anschauen. Systematisch unsinnige Eingaben eines Fahrers sind selbst ein Warnsignal.
- Den Hof sichern. Licht, Zaun und die Fahrzeuge am Wochenende möglichst nicht vollgetankt in der dunkelsten Ecke abstellen. Eine Kamera ist erlaubt, aber nur mit Hinweisschild und kurzer Speicherfrist; die niedersächsische Datenschutzaufsicht nennt als Faustregel 48 Stunden.
- Tankdeckelschloss mit Augenmaß. Es verhindert das Abschlauchen, doch manche Täter bohren dann den Tank an. Die Reparatur kostet 1.500 bis 2.000 Euro, ausgelaufener Diesel mit Feuerwehreinsatz um die 5.000 Euro. Wäge das je nach Stellplatz ab.
Was davon nimmt dir eine Software ab?
Tankvolumen abgleichen, Verbrauch verfolgen, Muster suchen: alles Fleißarbeit, und genau die kann ein Programm übernehmen. In TourlyOne laufen die Tankdaten der DKV-Karte automatisch ins System, ohne Zettel und ohne Abtippen. Daraus entsteht ein Verdachts-Postfach für deinen Fuhrpark:
- Tank-Überlauf: Übersteigt eine Tankung rund 95 Prozent des hinterlegten Tankvolumens, landet sie als Verdachtsfall auf deinem Tisch, mit Fahrzeug, Fahrer und Tankstelle.
- Über-Verbrauch: Die Software rechnet aus der GPS-Spur aus, wie viel Diesel zwischen zwei Tankungen ungefähr draufgehen konnte, kalibriert auf das einzelne Fahrzeug. Liegt die getankte Menge deutlich darüber, gibt es einen Verdachtsfall samt Einordnung, wie sicher der Treffer ist. Keine künstliche Intelligenz, nur nachvollziehbare Mathematik.
- Doppeltankung: Zwei Tankungen derselben Karte binnen 30 Minuten an verschiedenen Stationen tauchen als rote Aufgabe auf dem Dashboard auf.
- Sprit-Ausreißer: Das Dashboard zeigt dir die Fahrzeuge, die mindestens 15 Prozent über dem typischen Wert deiner Flotte verbrauchen, mit Ampel je nach Abstand.
- Erledigt mit Nachweis: Jeden Fall quittierst du mit einem Klick, etwa „mit Fahrer gesprochen" oder „Beleg geprüft", auf Wunsch mit Notiz. Wer wann was geklärt hat, bleibt gespeichert.
Die Kilometer für den Verbrauch kommen dabei aus dem GPS-Tacho, nicht aus der Eingabe an der Zapfsäule. Ausgerechnet die Zahl, die sich am leichtesten manipulieren lässt, spielt für die Auswertung also keine Rolle.
Zwei ehrliche Grenzen: Die Software sagt dir, an welchem Fahrzeug etwas nicht stimmt, aber nicht, wer an der Säule stand. Und nächtliches Absaugen vom Hof erkennt kein Programm der Welt aus Tankdaten, dagegen helfen nur Licht, Zaun und Stellplatz.
TourlyOne ist für kleine Transportbetriebe gebaut, die ihre Flotte im Blick behalten wollen, ohne eine IT-Abteilung aufzubauen. Tankdaten, Touren und Auswertung laufen im Browser zusammen. Server in Deutschland, DSGVO-konform, in einem Tag startklar.
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Häufige Fragen
Woran merke ich, dass bei mir Diesel verschwindet? An drei Signalen in der Tankabrechnung: Tankungen nahe am oder über dem Tankvolumen des Fahrzeugs, ein Verbrauch deutlich über dem eigenen Langzeitschnitt und Muster wie Doppeltankungen oder unsinnige Kilometerstände. Geh solchen Wiederholungen nach, bevor du einen Einzelfall bewertest, denn erst das Muster macht den Verdacht belastbar.
Warum verbraucht mein Transporter plötzlich mehr Diesel? Meist aus harmlosen Gründen. Beladung, Winterbetrieb, Kurzstrecke, Klimaanlage, Fahrstil und defekte Technik erklären schnell zwei bis drei Liter Mehrverbrauch je 100 Kilometer. Prüfe erst, ob sich Tour, Ladung oder Fahrer geändert haben. Bleibt die Abweichung ohne Erklärung bestehen, schau dir die einzelnen Tankungen genauer an.
Ist Tanken ins Privatauto mit der Firmen-Tankkarte strafbar? Ja. Das Oberlandesgericht Celle wertet es als Betrug nach § 263 StGB, wenn ein Mitarbeiter fremde Fahrzeuge mit der Firmenkarte betankt und die Belege kommentarlos einreicht. Darauf stehen Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, dazu kommen die arbeitsrechtlichen Folgen.
Wann darf ich einem Fahrer fristlos kündigen, der Diesel abzweigt? Bei schweren Fällen sogar ohne vorherige Abmahnung, wie das Landesarbeitsgericht Niedersachsen 2023 entschieden hat. Ohne klare Tankregeln und laufende Kontrolle kann die Kündigung aber scheitern, wie ein Fall vor dem Landesarbeitsgericht Köln zeigt. Bei bloßem Verdacht musst du den Fahrer vorher förmlich anhören.
Zahlt die Versicherung, wenn Diesel gestohlen wird? Meistens nicht. Laut dem Sonderbericht des Bundesamts für Güterverkehr kommen Versicherungen wegen der schwierigen Beweislage in der Regel nicht für Kraftstoffdiebstahl auf, und oft liegt der Schaden ohnehin unter der Selbstbeteiligung. Deshalb bringt Vorbeugung mit Tankregeln, Kontrolle und gesichertem Hof mehr als die Hoffnung auf Ersatz.
Quellen
- Bundesamt für Güterverkehr (heute BALM), Sonderbericht „Diebstähle im Transportbereich": balm.bund.de
- Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), Pressemitteilung vom 11.03.2026 zum Kostenanteil des Kraftstoffs: bgl-ev.de
- ADAC, Diesel im März 2026 so teuer wie noch nie: presse.adac.de
- ADAC, Spritspar-Tipps mit Zahlen zu Klima, Beladung und Reifendruck: adac.de
- ADAC, Spritsparen im Winter (Heizverbraucher, Dachbox): adac.de
- Marc-Oliver Prinzing in firmenauto, Betrug im Fuhrpark (22.06.2026): firmenauto.de
- Landesarbeitsgericht Niedersachsen, Urteil vom 29.03.2023, Az. 2 Sa 313/22: voris.wolterskluwer-online.de
- Landesarbeitsgericht Köln, Urteil vom 18.01.2022, Az. 4 Sa 329/21: nrwe.justiz.nrw.de
- Oberlandesgericht Celle zu Tankkartenmissbrauch als Betrug, Az. 1 Ws 277/10, Besprechung: hensche.de
- Landesbeauftragte für den Datenschutz Niedersachsen, FAQ Videoüberwachung: lfd.niedersachsen.de
- VG Lüneburg zu den Grenzen der GPS-Ortung von Firmenfahrzeugen, Besprechung: dr-datenschutz.de
Stand: Juli 2026. Dieser Artikel ist eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Rechtsberatung. Urteile beziehen sich auf Einzelfälle, Preise und Sätze ändern sich.
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